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Twitter vs Elon Musk – 3 Lektionen für kritische Verhandlungen

Twitter vs Elon Musk – 3 Lektionen für kritische Verhandlungen

3 Lektionen für kritische Verhandlungen

Gescheiterte Übernahme oder Trick – was soll der Krimi rund um Twitter sein?

Wer in der M&A Welt unterwegs ist, weiß, dass in vielen Fällen, in denen sich Investoren für eine Übernahme interessieren, ihre Meinung wieder ändern. Manchmal geschieht das vor der Due Diligence, manchmal danach. Nur in wenigen Fälle kommt es zum tatsächlichen Closing.

Warum ist das so?

Aus mehreren möglichen Gründen: schauen wir uns drei genauer an.

  1. Die Investoren selbst – ändern ihre Prioritäten bzw. ihre Interessen oder verschieben die Akquisition auf einen späteren Zeitpunkt. Das ist nicht ungewöhnlich im M&A Geschäft. Anders sieht es aus, wenn der Investor ein konkretes Angebot abgegeben hat – in diesem Fall besteht eine gewisse Verbindlichkeit. Aber auch dann haben Investoren das Recht, genau über interne Zustände informiert zu werden (siehe Punkt 3 unten).
  2. Die relevanten Dritten – Die Finanzierer der Investoren stellen eigene Konditionen, die mit den Interessen der Investoren nicht immer 100%ig vereinbar sind. Banken sind und bleiben ein zwar wenig sichtbares, jedoch ein wichtiges Element in der Entscheidungskette.
  3. Die Fakten – Die Due Diligence offenbart den Investoren Zustände, die davor nicht bekannt waren. Dies ist den Knackpunkt – sind die Zustände inakzeptabel, steht der Deal unter Fragezeichen.

Ein Beispiel: Sie investieren in einen Porsche

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Porsche ins Auge gefasst und arbeiteten sich 5 Jahre lang zum Kauf hin. Jetzt sind Sie endlich bereit, den hohen Preis zu bezahlen.

Alles passt: Sie haben die Finanzierung, der Verkäufer verspricht Ihnen den perfekten Zustand des Autos, die Fahrprobe hat Sie begeistert. All das bewegt Sie dazu, ein Angebot abzulegen, damit Ihr Traumauto in Kürze Ihnen gehören wird.

Es fehlt nur noch der letzte Schritt: Sicherheitshalber wollen Sie das Auto von einem Techniker überprüfen lassen (Due Diligence), um sicher zu stellen, dass das Objekt Ihrer Begierde mängelfrei ist.

Dann die Überraschung: Der Verkäufer lehnt Ihren Wunsch ab.

Sie fragen sich: „Warum tut er das? Verheimlicht er mir etwas? Hat mein Traumauto technische Mängel?“. Die fehlende Transparenz des Verkäufers nagt an Ihrem Vertrauen und somit an Ihrer Bereitschaft, diesen Porsche zu kaufen.

Wenn die Kaufentscheidung wackelt

Ihre Kaufentscheidung wird auf die Probe gestellt – Sie haben 3 Optionen:

1. sich an die Vereinbarung zu halten und das Risiko einzugehen, dass das Auto Mängel haben könnte,
2. den Kaufpreis runter zu verhandeln, oder
3. das Kaufangebot zurückzuziehen.

Genau diese Optionen hatte Elon Musk in Bezug auf die angekündigte Twitter- Übernahme. Als er sich für Option 3 entschieden, war Die offensichtliche Begründung, dass das die andere Partei gegen die Vereinbarung verstoßen hatte, und zwar: Twitter habe die Anzahl der gefälschten Konten auf der Plattform nicht offengelegt.

In anderen Worten, es fehlte an Transparenz und es besteht das Risiko, dass das Kaufobjekt große Mängel hat.

Die Person Elon Musk polarisiert, wie immer.

Ihm wird die Absicht vorgeworfen, Twitter-Aktien zu stürzen, um diese viel billiger zu kaufen.

Oder, dass er gar nicht kaufen wollte, sondern nur die Aufmerksamkeit auf sich lenken.

Oder, dass die Finanzierer das Downgrading der Twitter-Aktien nicht guthießen und ihn unter Druck setzten.

Oder, dass er preislich zu hoch gepokert hat.

All das sind Spekulationen. In der Tat ist er ein Investor wie jeder anderer und ihm stehen die gleichen Optionen offen, wie jedem anderen.

Wert und Vertrauen als Entscheidungsfaktoren

In meinem Porsche-Beispiel – ganz egal, welche der ersten zwei Optionen Sie wählen, stehen Fragen und Überlegungen im Raum:

Falls das Auto technische Mängel hat, wie viel genau kostet die Reparatur und wie lange dauert sie? Ist es sicher, dass sich dadurch die Mängel beheben lassen? Werden Sie am Ende mehr zahlen müssen als geplant und als es (Ihnen) wert ist?

Und, noch wichtiger:

Stimmt der Wert des Kaufobjektes wirklich?
Können Sie diesem Verkäufer noch vertrauen?

Ohne genau zu wissen, welche seine Beweggründe waren/sind, eines kann ich mir vorstellen (und ja, auch das ist nur eine Vermutung): Diese Fragen und Gedanken wurden Elon Musk in Bezug auf Twitter nicht erspart und könnten die Gründe sein, warum er sein Angebot zurückgezogen hat – der tatsächliche Wert des Kaufobjektes und das Vertrauen während des Prozesses.

3 Lektionen für kritische Verhandlungen

Nun, Twitter ging in die Offensive und klagte Elon Musk. Beide Parteien werfen einander Verletzung der Vereinbarung vor. Da dieser Fall in die Öffentlichkeit getragen wurde, werden wir hoffentlich mitbekommen, wer tatsächlich im Recht ist bzw. worum es wirklich geht.

Daher möchte ich Ihnen 3 Lektionen mit auf den Verhandlungsweg geben:

Lektion 1:
Seien Sie vorsichtig unter welchen Bedingungen Sie Angebote machen – schon in der Sondierungsphase! Nicht nur abgeschlossene Verträge sind verbindlich, sondern auch mündlichen Zusagen und Versprechen können finanzielle Konsequenzen haben.

Lektion 2:
Transparenz schafft Vertrauensbrücken zwischen den Verhandlungspartnern. Oder umgekehrt – wer Dinge verheimlicht, weckt Misstrauen und erntet Misstrauen. Misstrauen ist Gift in Verhandlungen und wird zu keinem Win, sondern maximal zu Kompromissen führen. Warum Kompromisse toxisch für den Erfolg sind, lesen Sie hier.

Lektion 3:
Vertrauen ist ein hohes Gut in Verhandlungen. Und wer das Vertrauen seiner Geschäfts- bzw. Verhandlungspartnern verliert, verliert am Ende sehr viel.

In Verhandlungen spielt man nicht immer mit offenen Karten – das gehört dazu. Aber irgendwann kommt es zu einem Punkt, in dem man die Karten offenlegen muss. Wer sich weigert, muss damit rechnen, dass seine Ehrlichkeit und Korrektheit in Frage gestellt werden. In Verhandlungen ist das kontraproduktiv.

Wenn sich Elon Musk und Twitter nicht außergerichtlich einigen, wird so eine Situation sicher keine Win-Win sein. Einer von der beiden wird verlieren. Ob und was genau der Andere gewinnen wird, wird sich im Gerichtsfall zeigen, falls es doch dazu kommt.

Aber SIE werden als großartige/r Sieger:in verhandeln – darauf bereite ich Sie strategisch und mental vor. Ich stelle Ihnen meine langjährige Erfahrung als Verhandlungsexpertin mit juristischem Background zur Verfügung.

Meine Programme sind genau für Sie konzipiert:

Steigern Sie Ihren Wert! – für Manager und Selbstständige
Steigern Sie Ihren Einfluss! – für Unternehmer
Steigern Sie Ihre (Hebel)wirkung! – für Entscheidungsträger.

Wie wichtig ist Ihnen, dass Ihr Gegenüber in Verhandlungen sich transparent verhält? Und umgekehrt: Inwiefern Sind Sie bereit, ihm/ihr mit Transparenz zu begegnen?

Sie erreichen mich unter: office@growmind.at oder +436602400135


Ihre Raluca Ionescu


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